Die Literaturschaufenster

13 Jahre lang haben Literaturfans beim Blick durch ein Schaufenster der Rigi Apotheke immer wieder Erhellendes, Spannendes und Grausiges aus der Welt des Apothekers lesen können. Der Betrachter konnte sich ein Bild machen von der Präsenz der heilenden, manchmal aber auch unheimlichen Apotheker-Kunst in der Literatur. 2011 war damit Schluss. Eine Auswahl der insgesamt 45 literarischen Texte aus einer Zeitspanne von über 400 Jahren finden Sie hier.
Für Konzept, Gestaltung und Ausführung der Fenster war Anita Siegfried verantwortlich.

Der Apotheker

Bert Siegfried (2008)

Mit dem Gedicht «Der Apotheker» aus dem Sammelband «die Wiesen lichterloh» (2008), verabschiedete sich Dr. Bert Siegfried im August 2011 als Geschäftsführer der Rigi Apotheke und Drogerie. Er bleibt der Kundschaft aber als «Esel» und Senior Consultant hinter der Theke erhalten. Am 1. September 2011 hat Katharina Holenweg die Nachfolge als Geschäftsführerin angetreten.

Bert Siegfried, Klaus Born (Zeichnungen)
die Wiesen lichterloh
1. Auflage 2008, 99 Seiten
Littera Autoren-Verlag, Zürich
ISBN 978-3-906-73114-8

Das Taschentuch

Brigitte Kronauer (1994)

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«Wenn Willi in der Apotheke steht und alte, treue Kunden berät, dann trügt der Schein.» Da sie hier eine Pause einlegte, konnte ich mir schnell ausmalen, wie Willi den Leuten mit Absicht oder aus Inkompetenz falsche, ja möglichst tödliche Ratschläge erteilte oder Drogengeschäfte unter der Maske des Ehrenmannes auf das Kaltblütigste mit ihnen abwickelte oder volltrunken war und sich, um aufrecht stehen zu können, zwischen die Regale klemmte, damit die Vertikale bewahrt blieb.

Im Roman «Das Taschentuch» entwirft die deutsche Schriftstellerin Brigitte Kronauer anhand einer Begegnung ein Sittenbild der bürgerlichen westdeutschen Kultur am Ende des 20. Jahrhunderts: Irene Gartmann, die Schriftstellerin, und Willi Wings, der Apotheker, sind seit ihrer Kindheit miteinander befreundet. Willi Wings ist ein ziemlich kauziger Zeitgenosse, der es immer allen recht machen will. Anlässlich einer Dichterlesung in einer norddeutschen Stadt begegnen sich die beiden wieder. Die Schriftstellerin nähert sich dem Menschen Willi Wings an. Das Taschentuch, ein weisses Quadrat, ist ein Accessoire, das Willi immer auf sich trägt und das von Zeit zu Zeit in einem lauten und dröhnenden Ritual zur Anwendung kommt.

Brigitte Kronauer wurde 1940 in Essen geboren und lebt heute in Hamburg. Sie ist eine der sprachmächtigsten und ambitioniertesten Schriftstellerinnen im deutschen Sprachraum und wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Die Frau in den Kissen (1990), Teufelsbrück (2000), Errötende Mörder (2007), oder Zwei schwarze Jäger (2009) gehören zu ihren bekanntesten Werken.

Brigitte Kronauer
Das Taschentuch
2001, 320 Seiten
Deutscher Taschenbuch Verlag, München
ISBN 978-3-423-12888-9

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Grimsels Zeit

Dieter Bachmann (2002)

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Zihlmann wischte mit einer grossen Bewegung über den Ladenraum hin. «Schönheit, Kinderpflege und -ernährung, Gesundheitspflege der Erwachsenen mit all ihren Möglichkeiten zwischen Naturheilmitteln und chemischer Pharmazie, das ist unser zentraler Frontabschnitt. Zahnbürsten, Zahnpasta, dann Kämme, Bürsten, Badeschwamm, die einfachen Gesichtscremes, Körpermilch. Rasiercreme, Pinsel, Klingen, ich sage wiederum nur Gillette, ja, alles was neu und gut ist, kommt aus Amerika, tägliche Gebrauchsgegenstände und also, Max, unser tägliches Brot. Intimpflege. Vergessen wir den weiblichen Zyklus nicht, dieses Geschenk Gottes an seine Drogisten. Ich sage nur: Camelia.»

«Grimsels Zeit» ist ein Roman über die Einsamkeit des Erwachsenwerdens und über das Rätsel der Herkunft. Geschrieben hat ihn der Schweizer Schriftsteller Dieter Bachmann. «Grimsels Zeit» ist aber auch ein Buch über die Liebe zu afrikanischen Elefanten und schliesslich auch zu einer Frau aus Fleisch und Blut. Zugleich ein Roman über ein Land, das sich unberührt fühlte vom Krieg. Also ein Buch über den Hang zu vergessen und den Drang, nach oben zu kommen, über Kummer und Konjunktur. Kraftvoll, ironisch, poetisch, wohl dokumentiert und erfindungsreich wird in den Lebenspassagen des heranwachsenden Grimsel ein Stück Schweizer Nachkriegsgeschichte gegenwärtig. Für einmal ist nicht ein Apotheker Hauptfigur, sondern Zihlmann, Drogist und Pall-Mall-Raucher.

Dieter Bachmann hat an der Universität Zürich Germanistik und Philosophie studiert. Er war Redaktor bei der Weltwoche, dem Tages-Anzeiger-Magazin und Chefredaktor der Kulturzeitschrift «du». Bachmann hat verschiedene belletristische Werke und Sachbücher geschrieben sowie Theaterstücke verfasst.

Dieter Bachnann
Grimsels Zeit
2002, 400 Seiten
Berlin Verlag, Berlin
ISBN 978-3-8270-0463-5

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Der Gast

Iren Baumann (2006)

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Stumm sass sie da als
das Unfassliche eintrat
in Gestalt jenes Herrn Insonnia
den sie aus Büchern kannte
und der angewiesen wurde
neben ihr Platz zu nehmen

In einer wahren Selbstüberwindung machte sie den Mund auf
stammelte ein paar Sätze
auf dem Heimweg schüttelte es sie
am ganzen Körper die Auswirkungen gerieten
ausser Kontrolle

Hätte das Vorkommnis auf einem brutalen Gewaltakt beruht hätte sich da jemand umgedreht
einen fragenden Blick erhoben
oder — ihr zugeneigt
Blut abgetupft?

Tropfen rennen die Scheibe lang
rennen in die Apotheke
besorgen ein Mittel gegen Untauglichkeit
dieweil die Pferde
an gefrorenen Bächen
in grünen Filzmänteln weiden


Das Gedicht «Der Gast» der Schweizer Lyrikerin Iren Baumann entstammt dem Gedichtband «Die Gesichter schon weiss». Baumann wurde 1939 geboren und lebt heute in Zürich und im Tessin. Nach der Ausbildung zur Lehrerin und einer Weiterbildung in Paris heiratete sie den Kinderbuchautor Kurt Baumann. Geburt eines Sohnes und einer Tochter. Seit 1987 veröffentlicht sie Gedichte in Literaturzeitschriften und Anthologien. Daneben erschienen mehrere Gedichtbände. Für ihr Schaffen erhielt Iren Baumann verschiedene Auszeichnungen und Stipendien. 2011 erschien ihr neuer Gedichtband «Noch während die Pendler heimfahren»

Iren Baumann
Die Gesichter schon weiss
2006, 72 Seiten
Waldgut Verlag, Frauenfeld
ISBN 978-3-03740-096-8

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Die beiden Apotheker, die sich auf Pillen-Mixtur und Pulver herausfordern.

Georg Christoph Lichtenberg (1775—1776)

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Erster Gang. Der eine Apotheker stürzt, seine Leute reiben ihm die Schläfe und giessen ihm ein gelbliches Wasser in den Mund, alsdann kam er wieder zu sich, der andere, ein frischer wohlbehaltener Mann, tat einen Schluck und spie das Pulver wieder weg, spülte sich den Mund aus und machte sich zum Mixtur-Gang parat. Sie schluckten die Mixturen zur gleichen Zeit und sahn einander an.

Georg Christoph Lichtenberg notierte ab 1764 in Schreibheften, von ihm selbstironisch «Sudelbücher» genannt, in aphoristischer Form unzählige Gedankensplitter, so auch den Text über die beiden Apotheker (Nr. 273, Sudelbücher E). Die Texte wurden postum veröffentlicht und belegen in besonderer Weise seine Fähigkeit zur skeptischen Beobachtung und ironischen Formulierung. Er verewigte dort auch naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Gleichberechtigt neben den Sudelbüchern sind für Philologen und Historiker seine Streitschriften, Briefe und Essays. 1773 erschien Timorus, eine Polemik gegen den Gelehrten Johann Caspar Lavater, der den Berliner Aufklärer Moses Mendelssohn zur Konversion aufgefordert hatte. 1777 wandte er sich in der Schrift «Über Physiognomik wider die Physiognomen» mit ebensoviel bissiger Ironie gegen Lavaters Lehre, der Charakter eines Menschen sei aus seinem Knochenbau abzuleiten.

Georg Christoph Lichtenberg kam im Juli 1742 als jüngstes Kind des Pfarrers Johan Conrad Lichtenberg zur Welt. Zusammen mit 16 älteren Geschwistern wuchs er in Darmstadt auf. Seit seiner Geburt litt er an einem Buckel und an Kleinwüchsigkeit, Folgen einer Wirbelsäulenverkrümmung. In Göttingen studierte er Astronomie, Mathematik und Naturgeschichte. Sein Interesse galt aber auch der Beobachtung seiner Umwelt und der Mitmenschen. 1770 wurde er Professor für Physik, Mathematik und Astronomie an der Universität Göttingen. Lichtenberg war in Fachkreisen in ganz Europa bekannt und geschätzt. Er starb 1799 in Göttingen.

Georg Christoph Lichtenberg
Schriften und Briefe.
Herausgegeben und kommentiert von Wolfgang Promies
1968–1992, Vier Bände und zwei Bände Kommentare
Hanser Verlag, München
(Nachdruck bei Zweitausendeins)
ISBN 3-86150-042-6

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Der Komet oder Nikolaus Marggraf. Eine komische Geschichte

Jean Paul (1822)

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Siebentes Kapitel,
oder der zwanzigkaratige Grundstein
zur Geschicht wird gelegt

Ein echter Diamant war im chemischen Ofen fertig geworden und funkelte umher;
damit kann schon ein siebentes Kapitel beschliessen, das zehntausend neue beginnt.

Achtes Kapitel,
oder wie der Diamant echt und hart
befunden wird

Der Apotheker zog mit einer Zange die blitzende Schlacke heraus und liess den Stößer mit einem Hammer wacker darauf einschlagen: der Stein hielt sich. Er liess ihn festkneipen und feilte daran mit einer englischen Feile: der Stein hielt sich. Er und Stoß hauchten dessen Glanz an: letzter hielt sich. Er legte den Stein auf einen Amboß und schlug mit einem Schmiedehammer  gewaltig auf ihn ein: er bekam ein Grübchen, nicht der Stein, sondern der Amboß. Folglich hatt’ er nach allen Proben seinen ersten Diamanten verfertigt.

Nikolaus Marggraf, Sohn eines Apothekers in Rom, einem kleinen Provinzkaff am Rande von Kleindeutschland, ist der illegitime Nachkomme eines Fürsten. So jedenfalls lässt es der Autor Jean Paul die Mutter des Kindes auf dem Sterbebett beichten. Der Apotheker, stolz auf die Abkunft des Sohnes, schickt diesen an die Universität Leipzig. Nikolaus übernimmt später die väterliche Apotheke, wo er nicht nur Salben und Pillen herstellt, sondern auch alchemistische Experimente durchführt. Eines Tages gelingt es ihm Diamanten herzustellen. Über Nacht zu grossem Reichtum gekommen, macht er sich auf die Suche nach seinem wirklichen Vater, in seinem Geleit eine Schar merkwürdiger Existenzen. Die Reise durch irreale Landschaften und Städte wird zu einer närrischen Odyssee im Don Quijote-Stil. In seiner Naivität und Unbeirrbarkeit hält der Titelheld der Welt einen Zerrspiegel vor.

Jean Paul (1763—1825) hiess eigentlich Johann Paul Friedrich Richter. Die Namensänderung geht auf seine grosse Bewunderung für Jean-Jacques Rousseau zurück. Er wuchs in einem protestantischen Pfarrhaus in Oberfranken auf, wo er mit dem Gedankengut der Aufklärung vertraut gemacht wurde. Abseits der politisch-literarischen Zentren seiner Zeit bildete sich Jean Paul autodidaktisch. 1793 erschien sein erster Roman, Die unsichtbare Loge, danach eine ganze Reihe weiterer Romane und Erzählungen, in denen er als Stilmittel eine groteske Komik einsetzte, was dem Publikum gefiel und ihm grosse Auflagen beschied. 1825 starb er in Bayreuth. Jean Paul wurde von literarischen Grössen wie Goethe und Schiller nie akzeptiert. Schiller sagte über Jean Paul, er sei im fremd wie «einer, der aus dem Mond gefallen ist».

Jean Paul
Der Komet oder Nikolaus Marggraf — Eine komische Geschichte
2002
Manesse Verlag, München
ISBN 3-7175-1998-0

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Der längste Kuss der Welt

Gerhard Rühm (2005)

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Der längste Kuss der Welt währte dreissig Stunden, neunundfünzig Minuten und siebenundzwanzig Sekunden. Clara und Hannes, die einander erstmals am einundzwanzigsten November neunzehnhundertsechsundachtzig küssten, wollten diesen Weltrekord am Valentinstag, dem vierzehnten Februar, brechen. Der Weltrekordversuch wurde vom Apothekerverband organisiert, die Apothekerinnen und Apotheker wollten damit für bessere Mundhygiene werben. Sie wiesen darauf hin, dass bei einem Normal-Kuss vierzigtausend Parasiten übertragen würden, neun Milligramm Wasser, zudem ein wenig Fett, Eiweiss, Salz und zweihundertfünfzig Bakterienarten. Der Apothekerverband legte sich auf Clara und Hannes fest, weil diese mit achtunddreissig und einundvierzig Jahren erfahren seien. Beim Weltrekordversuch durften die beiden weder liegen noch sitzen noch auf die Toilette gehen. Ob er gelang, ist nicht überliefert.

«Der längste Kuss der Welt» ist ein Lautgedicht des österreichischen Schriftstellers, Komponisten und bildenden Künstlers Gerhard Rühm. Er trägt es in seinen Sprachperformances zusammen mit seiner Frau, der Musikpublizistin Monika Lichtenfeld, vor.

Gerhard Rühm wurde am 12. Februar 1930 in Wien geboren. Rühm studierte Klavier und Komposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Seit Anfang der 50er- Jahre produziert er Lautgedichte, Sprechtexte, visuelle Poesie, Photomontagen und Buchobjekte. Er ist Mitbegründer der Wiener Gruppe (mit Friedrich Achleitner, Hans Carl Artmann. Konrad Bayer und Oswald Wiener).

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A ciascuno il suo – Jedem das Seine

Leonardo Sciascia (1961)

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Plötzlich gab sich der Apotheker einen Ruck. Er nahm den Brief, öffnete ihn und entfaltete das Blatt. Der Brief bestand aus Wörtern, die aus einer Zeitung ausgeschnitten waren. (...) Zwei Zeilen, nicht mehr. Sie lauteten: «Dieser Brief ist dein Todesurteil, für das, was du getan hast, musst du sterben.» Er faltete es zusammen und legte es auf den Ladentisch. «Ein Scherz», sagte er, und das meinte er wirklich.

Die Morddrohung ist eine Schlüsselstelle im Roman «A ciascuno il suo» des italienischen Schriftstellers Leonardo Sciascia. Er zeichnet darin meisterhaft ein Gesellschaftsbild aus dem Sizilien der sechziger Jahre, in dem die Korruption ein ganzes Dorf durchdringt. Der Drohbrief, den der brave Apotheker Manno erhalten hat, wird allseits als Scherz wahrgenommen. Zwei Tage später wird er jedoch auf der Jagd erschossen und mit ihm sein Freund, der Arzt Dottore Rosello. Zwei unbescholtene Bürger hinterhältig umgebracht – die Carabinieri sind bald am Ende mit ihrem kümmerlichen Latein. Aber den Lehrer Laurana beginnt die Sache zu interessieren. Ein zufälliger Fund gibt zunächst einen Hinweis auf die Katholische Kirche. Seine Nachforschungen bringen den Lehrer selbst in Gefahr.

Leonardo Sciascia wurde 1921 in Racalmuto in Sizilien geboren. Er bildete sich zunächst als Lehrer aus und war in den siebziger Jahren als Vertreter der Kommunistischen Partei Italiens im Stadtrat von Palermo. 1978 wurde er als Abgeordneter der Radikalen in das Europaparlament gewählt. Er hat ein umfangreiches Werk hinterlassen, das sich hauptsächlich mit den gesellschaftlichen Strukturen und dem politischen Machtsystem beschäftigt, angefangen beim faschistischen bis hin zum christdemokratischen Italien. Die Frage der Schuld und Unschuld nimmt dabei eine zentrale Stellung ein. Mehrere seiner Bücher wurden verfilmt. Leonardo Sciascia starb 1989 in Palermo.

Leonardo Sciascia
Jedem das Seine. Ein sizilianischer Kriminalroman.
2. Auflage 2012, 139 Seiten
Wagenbach Verlag, Berlin
ISBN 978-3-8031-2687-0

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Das Heilmittel

Peter K. Wehrli (ca. 2010)

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1777. Das Heilmittel
Der Name des Heilmittels, der derart kompliziert und schwierig auszusprechen ist, dass niemand es kaufen könnte wenn es nicht (hallo, mich freut diese Logik!) rezeptpflichtig wäre, weil man so der Apothekerin nur das Rezept des Arztes entgegenzustrecken und «Heteroparaplaktische Psorolitdialysenenteroform» nicht auszusprechen braucht.



«Das Heilmittel» ist ein Auszug aus dem «Katalog von Allem» des Zürcher Schriftstellers Peter K. Wehrli. Die Anfänge dieses Werks gehen auf ein Malheur zurück, das sich vor vierzig Jahren ereignet hat: Als der Orient-Express aus dem Zürcher Hauptbahnhof rollte, merkte Wehrli, dass er seinen Fotoapparat vergessen hatte. Dieses Missgeschick bildet den Auftakt für ein einmaliges literarisches Experiment: den «Katalog von Allem». Über vier Jahrzehnte hat der Autor seine Eindrücke von Reisen und alltäglichen Begebenheiten mit den Mitteln der Sprache festgehalten. Alles, was ihm auffiel, alles, was er fotografiert hätte, wurde zu literarischen Schnappschüssen, die jeweils aus einem Relativsatz zu einem Titelwort bestehen. Peter K. Wehrlis «Katalog von Allem» ist eine Schule des Sehens und das Blättern darin gerät zur Entdeckungsreise.

Peter K. Wehrli, geboren 1939, hat in Zürich und Paris Kunstgeschichte studiert. Längere Reisen und Auslandaufenthalte führten ihn durch die Sahara und zur Piratenküste, nach Südamerika mit Falkland-Inseln und zu den drei Guayanas. 1971 war er Mitherausgeber der Anthologie «Dieses Buch ist gratis». Als Redakteur beim Schweizer Fernsehen zeichnet er für zahlreiche Dokumentarfilme verantwortlich. Er ist Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift «orte» und hat Reiseberichte, Erzählungen und Kurzgeschichten verfasst. Der «Katalog von Allem» ist 2008 als erweiterte Ausgabe erschienen. Der Katalog wird weitergeschrieben und umfasst mittlerweile annähernd 1800 Stichworte.

Peter K. Wehrli
Katalog von Allem.
Vom Anfang bis zum Neubeginn – 1697 Nummern aus 40 Jahren.
2008, 533 Seiten
Ammann Verlag, Zürich
ISBN 978-3-250-60126-5

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