Der Placeboeffekt:
Heilen mit nichts?

Text von Georg Schönbächler, illustriert von Anna Sommer

Medikamente wirken nicht bloss aufgrund der in ihnen enthaltenen Wirkstoffe. Nur schon das Wissen, dass ein Medikament eingenommen wird, kann heilsam sein. Medikamente, die keine Wirkstoffe enthalten, aber so aussehen wie echte, heissen «Placebo». Sie werden in der Arzneimittelforschung eingesetzt, um die Wirksamkeit von Substanzen von ihrem Suggestionseffekt abzugrenzen, manchmal aber auch in der Praxis, wenn keine wirksame Therapie existiert, der Arzt denkt, die Beschwerden seien gering, und der Patient unbedingt eine Behandlung wünscht. Der Einsatz in der Praxis ist aber ethisch umstritten.

 Placeboeffekte kommen aufgrund von Lerneffekten bei früheren therapeutischen Massnahmen und aufgrund von Erwartungen zustande, die der Patient hat. Dabei wird, wie die Forschung zeigt, unter anderem das Belohnungssystem aktiviert, was zu Ausschüttung von verschiedenen Substanzen im Gehirn führt.

 Am besten sind Placeboeffekte beim Schmerz untersucht. Zahlreiche Studien belegen, dass die Ausschüttung von Endorphinen, das sind körpereigene Opioide, für die schmerzlindernde Wirkung von Placebo verantwortlich sind. Diese lässt sich nämlich mit Naloxon, einem Opiatantagonisten, aufheben.

 Die Bedeutung, die ein Patient einer Therapie gibt, sein Vertrauen in die Therapie und viele andere Kontextfaktoren beeinflussen den Placeboeffekt. Wenn es dem Therapeuten gelingt, positive, aber wahrheitsgemässe Erwartungen zu wecken, und er dem Patienten vielleicht aufgrund eines Rituals Sicherheit zu vermitteln vermag, stehen die Chancen gut, die körpereigene Apotheke zu aktivieren. Pharmazie ist in diesem Sinne immer auch «Pharmagie».

Gegen lästige Begleiter im Alltag

Lausen und lausen lassen.

Den Motten mit Düften das Menu vermiesen.

Sich eingepackt vor Zecken schützen.