Die Südafrikanische Traumwurzel Silene capensis:
Kontakt mit den Ahnen ?

Text von Georg Schönbächler, illustriert von Anna Sommer

Bei den Schamanen Südafrikas, den Sangoma, spielen Träume eine wichtige Rolle. Um besonders intensive oder prophetische Träume zu erzeugen, nehmen die Sangoma die Wurzel einer Pflanze ein. Es handelt sich um Silene capensis, eine Nelkenart, die hauptsächlich in Südafrika heimisch ist.

 Die Einnahme der Wurzel soll es den Sangoma ermöglichen, mit ihren Ahnen in Verbindung zu treten, um Antworten auf Fragen zu Krankheitsursachen zu erhalten. Aber auch bei der Initiation der Schamanen spielen die Einnahme der Wurzel und die daraus resultierenden Träume eine wichtige Rolle. Entweder wird die Wurzel als solche gekaut oder in pulverisierter Form während eines Rituals zusammen mit anderen Pflanzen in einem halb mit Wasser gefüllten Zinnbecher aufgeschlämmt. Ein gabelförmiger Stock wird zwischen den Handflächen hin- und hergerieben, was einen weissen, stabilen Schaum erzeugt, der dann getrunken wird. Dieses Getränk nennen die Sangoma «Ubulawu».

 Pharmakologisch ist über die Pflanze sehr wenig bekannt. Die schaumbildenden Saponine kommen für die trauminduzierende Wirkung kaum in Frage, da sie die Blut-Hirnschranke nicht überwinden können. Pilotversuche im Schlaflabor konnten aber zeigen, dass nach Einnahme der Wurzel die REM-Phasen im Schlaf, die mit Traumaktivität korrelieren, verlängert sind.

Gute Nacht

Illustriert von Anna Sommer

In schlaflosen Stunden
Pläne schmieden.

Träumend den Alltag begreifen.

Schlafend überwintern –
den Winter überschlafen.